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Last Update: Dienstag, 07.12.2005

 

Was ist eigentlich... die Quadragesima?

Glaube, Bibel und Kirche (1)


Die Quadragesima ist vielleicht besser als (österliche) Fastenzeit oder österliche Bußzeit bekannt.


Beginn und Dauer

Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet in der Osternacht. Nach der heute üblichen Zählweise dauert sie 40 Tage, wobei die Sonntage seit der Synode von Benevent (1091) nicht mehr als Fastentage gelten und auch nicht zu den 40 Tagen zu rechnen sind.

Die Zeitspanne erklärt auch den Namen- Quadragesima ist lateinisch und heißt schlicht vierzig Tage. Andere lateinische Namen für diese Zeit: Quadragena, Quarentana.


Der Termin des Aschermittwochs ist beweglich und orientiert sich am Datum des Ostersonntags. Seit dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 ist er auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond . Der Aschermittwoch (und als Konsequenz z.B. auch die Faschingszeit) ist damit logischerweise auch festgelegt.

Warum nun gerade 40 Tage? Die Zahl 40 kommt in der Bibel mehrfach vor: 40 Jahre lang wanderten die Israeliten durch die Wüste (Ex 16,35), 40 Tage und Nächte dauerte die Sintflut (Gen 7,17), 40 Tage lang begegnete Mose auf dem Berg Sinai Gott (Ex 24,18), Elija wanderte 40 Tage zum Berg Horeb (1. Kön 19,8) und - hier wohl entscheidend - Jesus fastete 40 Tage in der Wüste (Mt 4,2 bzw. Lk 4,2 ):

1 Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. 2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. 3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. 4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. (Mt 4,1-4)


Fasten ist nicht gleich Fasten

Der Verzicht auf Essen und Trinken ist in vielen Kulturen bekannt, als religiöses wie auch als politisches Mittel (Hungerstreik). In der Bibel tritt das Fasten in unterschiedlichen Situationen auf: Buße, Trauer, Verinnerlichung des Gebets und Vorbereitung auf religiöse Feste.


Auch heute muss man verschiedene Arten des Fastens in der Fastenzeit unterscheiden: Zum einen das Bußfasten in der Fastenzeit: Gläubige soll sich durch innere Einkehr, Bußwerke und Fasten auf Ostern vorbereiten. Zum anderen das verpflichtende Trauerfasten am Karfreitag (und evtl. am Karsamstag), das an den Tod Jesu erinnern soll. Auch der von der Kirche empfohlene wöchentliche Abstinenztag an den Freitagen des restlichen Kirchenjahres soll daran erinnern.

Der Katechismus sagt dazu 1438 Die Bußzeiten und -tage im Laufe des Kirchenjahres (die Fastenzeit, jeder Freitag zum Gedächtnis des Todes des Herrn) sind prägende Zeiten im Bußleben der Kirche [Vgl. Lk 9,23]. Diese Zeiten eignen sich ganz besonders zu Exerzitien, Bußliturgien und Bußwallfahrten, zu freiwilligen Verzichten etwa durch Fasten und Almosengeben, und zum Teilen mit den Mitmenschen (karitative und missionarische Werke).


Fasten und Abstinenz

Wie unterscheidet sich nun aber praktisch das Fasten an den verschiedenen Fastentagen?


Sprachlich müsste man eigentlich unterscheiden zwischen Fasten und Abstinenz. Fasten bedeutet, dass man keine oder nur sehr wenig Nahrung zu sich nimmt. Abstinenz hingegen heißt, dass man ein bestimmtes Nahrungsmittel (meist Fleisch oder heute auch Alkohol oder Süßes) meidet.


Gebotene strikte Fast- und Abstinenztage sind heute der Aschermittwoch und der Karfreitag. In diesen Tagen darf man sich nur einmal sättigen und zweimal am Tag noch eine kleine Stärkung zu sich nehmen. Zusätzlich ist der Fleischverzehr verboten.

Die normalen Freitage empfiehlt die Kirche heute als Abstinenztage (früher Fastentage) zu behandeln. Anstelle der Abstinenz/des Fastens kann man sich aber auch ein anderes Werk der Buße aussuchen. Dazu kann man sich noch zusätzlich den Mittwoch als Abstinenztag wählen.

Fastenzeit heute

Früher war die Fastenzeit wirklich eine Zeit des Fastens, also des Weniger-Essens und auch der Fleisch-Abstinenz. Die Regeln sind heutzutage lockerer. Heute in Zeiten des Nahrungsüberflusses in den Industrienationen ist der Verzicht auf Fleisch nicht für jeden eine schmerzliche Buße, deswegen schlägt die Kirche für die österliche Bußzeit auch andere Formen der Askese und Buße vor, z.B. den Verzicht auf Süßigkeiten, Kaffee, Tee oder Alkohol. Auch das Einschränken alltäglicher Gewohnheiten wie Fernsehen, Musik hören oder Computerspielen kann man als Abstinenz bezeichnen. Speziell für Jugendliche bieten einige Gemeinden inzwischen das SMS-Fasten an. Die Sonntage in der Fastenzeit sind vom Fasten ausgenommen. Ausgenommen vom Fasten sind natürlich Alte, Kranke und Menschen, die sowieso nicht genügend zu Essen haben.


In der Liturgie der Fastenzeit wird (auch an Sonntagen) kein Halleluja gesungen, auch auf das Gloria wird verzichtet. Ab dem 5. Sonntag der Fastenzeit (Passionssonntag``) bzw. regional erst ab Palmsonntag werden Standbilder und Kreuze durch violette Tücher verhüllt. Von Gründonnerstag bis zum Gloria der Osternachtsmesse werden keine Glocken geläutet, stattdessen werden hölzerne Ratschen verwendet.


In vielen Gemeinden findet ein Fastenessen statt. Darunter wird eine gemeinsame und vor allem einfache (oft eine Art von Eintopf) Mahlzeit der Gemeindemitglieder verstanden. Oft haben diese Fastenessen das Ziel, Solidarität mit der Dritten Welt zu zeigen. Deswegen wird in diesem Rahmen manchmal auch Geld für Hilfsprojekte gesammelt.

Eine andere Motivation des ist es, das Fasten nicht nur für sich, sondern auch in der Gemeinschaft zu praktizieren.

Da an Aschermittwoch der Fleischverzehr verboten ist, wird traditionell viel Fisch gegessen, oft in Gaststätten beim Stockfisch- oder Karpfenessen.


Eine andere Tradition betrifft das Hungertuch: Mit diesem Tuch wurde etwa seit dem Jahre 1000 in der Fastenzeit der Altar verhängt. Der ursprüngliche Gedanke war wohl, dass Mensch als Sünder unwürdig ist, Gott zu sehen. Später im Mittelalter wurden die Hungertücher mit Passionsmotiven bebildert. werden die Hungertücher meist von Künstlern aus der Dritten Welt geschaffen und von Misereor den Gemeinden zur Verfügung gestellt.


Das Halten der von der Kirche gebotenen Fast- und Abstinenztage ist laut Katechismus übrigens eines der fünf Gebote der Kirche.


Schlusswort

Zum Schluss dieses kleinen Überblicks noch ein Ausspruch Jesu zum Thema Fasten:

16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 17 Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, 18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

(Mt 6,16-18)

kad


Quellen: Stuttgarter Erklärungsbibel, Einheitsübersetzung, der Katholischen Kirche, wikipedia, Kloster Andechs (Pater Anselm Bilgri), http://www.kath.de